Die Restaurierung (Teil 2) Drucken E-Mail

Das Schiff nimmt langsam, aber sicher wieder Form an. Der "Innenausbau" (um ehrlich zu sein, einen Innenausbau in der gewohnten und bekannten Form mit Kojen, Schapps und Klo wird es nicht geben) ist schon fast fertig. Die ersten Schichten Lack sind drauf, und es sieht innendrin wieder aus wie neu.

Soll es auch. Es ist ja auch sehr viel erneuert worden.

Die erste Aufnahme zeigt das Achterschiff. Hier ist noch kein Lack drauf, so heben sich die neuen Teile von den alten Teilen noch etwas ab. Einige der in diesen Bildern gezeigten Teile werden noch feiner geschliffen, wenn sie zur Konstruktion gehören.

Wir verwendeten ein paar "Hilfsmittel" (z.B. Versteifungen), um gefahrlos große Bereiche im Unterwasserschiff demontieren zu können. Wie gesagt, ein hohes Risiko besteht immer darin, tragende Teile eines Schiffes zu entfernen. Der ganze Rumpf kann sich verziehen oder Schlimmeres - im Extremfall bricht das ganze Schiff zusammen, besonders wenn es in einem schlechten Zustand ist. Die VÄSTANFLÄKT war nicht in einem solchen Zustand.

Natürlich geht man aber in keinem Fall ein Risiko ein.

Das dritte Bild zeigt die Innenansicht mit den ersten Schichten Lack - genauer gesagt, sind es schon die dritten oder vierten Schichten, aber am Lack darf nun mal nicht gespart werden: guter Lack in ausreichender Schichtenzahl ist für ein Holzschiff immer noch der beste Korrosionsschutz.

Das Schiff wirkt völlig leer gegenüber der "Einrichtung", die es noch vor nicht allzulanger Zeit einmal hatte. Davon ist alles entsorgt worden. Hier stellt sich nun ein weiteres Problem: Wo soll die Wasserlinie hin?

Man wird sehen: im Frühjahr wird die VÄSTANFLÄKT nach ihrer anderthalbjährigen Pause wieder zu Wasser gelassen. Wahrscheinlich ist die Wasserlinie nun viel zu hoch und muß neu gezeichnet werden - etliche Kilo fehlen!

Wir arbeiten jetzt parallel daran, die alten Zeichnungen zu bekommen, soweit wir sie noch nicht haben. Da die VÄSTANFLÄKT neu vermessen werden soll (im Frühjahr soll sie ihre erste Regatta segeln .. und gewinnen!), sind Konstruktionszeichnungen sehr wichtig. Beim Aufriggen wird genau nach den Vermessungsbriefen von anno tobak gearbeitet. Das Schiff soll schließlich genauso aussehen wie vor fast 80 Jahren.

Es erscheint im Zusammenhang mit einem echten Klassiker immer etwas merkürdig, wenn man von "Fertigstellung" spricht. Das klingt ein wenig wie "Fertiggericht" oder "Fertighaus" - nicht ganz die Sprache für etwas Vollkommenes, wie es Tore Holm vor fast achtzig Jahren gezeichnet und gebaut hat.

Wußten Sie, daß man beim Farbanstrich von Schiffen eigentlich von "Maling" spricht (seemännisch ausgedrückt)? Ein Schiff wird auch nicht gestrichen, sondern "gemalt". Oft verursacht das bei manchen Lesern Irritationen, suggeriert doch der "Malen"-Begriff eine weniger hochwertige Arbeit als eine "Lackierung".

Natürlich wird die "VÄSTANFLÄKT" mit einer hochwertigen Lackierung versehen: dauerhaft und schön zugleich. Sie wird wieder in strahlendem Weiß erscheinen, wie es zu ihrer Bauzeit üblich war. Einfassungen und andere Teile werden naturfarbig in Teak und Mahagoni belassen.

In den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts war es selten, daß ein Schiffsrumpf "farblos" gemalt - oder, wenn Ihnen das lieber ist, lackiert - wurde. Das hatte in erster Linie ästhetische Gründe. Auch heute noch signalisiert ein leuchtendes Weiß Anmut und Schönheit.

Die ersten Beschläge sind auch schon eingetroffen und werden montiert. Hier ein nagelneuer Beschlag - Sie können sich ausmalen, wie dieser "Sechser" nachher voll ausgerüstet aussehen wird (und falls nicht, es folgen noch sehr, sehr viele weitere Bilder von den letzten Restaurierungsschritten, dem Stapellauf, der ersten Fahrt ...).
Am 09. Mai 2001 war es nach fast zwei Jahren soweit: Die VÄSTANFLÄKT schwebte am Kran der WSG Arnis ihrem Element entgegen. Allerdings nicht für lange: sie wurde aus der Halle Grödersby für die Restarbeiten nach Arnis gebracht.

Um die Wasserlinie anzeichnen zu können, mußte Jan-Willem Paulsen nach der Entfernung von Maschine, Deckshäuschen usw. völlig neu anfangen und konnte sich nicht an eine der (unter dem alten Anstrich zahlreich vorhandenen) Wasserlinien halten.

Ebenso mußte untersucht werden, ob das Schiff eventuell Wasser macht: fast alle Holzschiffe in klassischer Plankenbauweise haben dieses - konstruktions- und materialbedingte - Problem.

Am 01.06.2001 bekam die Außenhaut die ersten Lackschichten und der Wasserpaß wurde angezeichnet. Noch vor Pfingsten sollen weitere Lackierungen und der Wasserpaß fertiggestellt werden; in der darauffolgenden Woche ist der Unterwasseranstrich dran.

Das erste Mal seit fast zwei Jahren wurde die VÄSTANFLÄKT nicht nur vorübergehend zu Wasser gelassen (wie im Mai), sondern diesmal endgültig. Am Donnerstag (14.06.) wird der Mast gestellt, am Freitag (15.06.) geht es ab nach Kiel zum Rendezvous der Klassiker.

Überfahrt nach Kiel - erster Törn überhaupt seit Abschluß der Arbeiten
Teilnahme an den Kiel Classics
Sie soll dort an den geplanten Regattaveranstaltungen teilnehmen; wir hoffen natürlich auf guten Erfolg. Die Geschichte der VÄSTANFLÄKT (siehe z.B. den Text über Tore Holm) läßt begründete Hoffnungen aufkommen!

 
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