Die Restaurierung (Teil 1) Drucken E-Mail

Damit das Schiff wieder in den damaligen Bauzustand versetzt werden kann, mußten zunächst die Aufbauten herunter. Das wäre übrigens auch dann unumgänglich gewesen, wenn sie erhalten worden wären, denn am Rumpf (besonders innen) waren zahlreiche Arbeiten notwendig, die mit montierten Aufbauten viel zu aufwendig geworden wären.

Somit mußte die Västanfläkt vollständig entkernt werden. Es verschwanden nicht nur die Aufbauten, sondern auch die gesamte (spartanische) Inneneinrichtung wie Kojen und Schapps und der altersschwache und unzuverlässige Vire-Motor.

Die Aufbauten finden vielleicht eine anderweitige Verwendung.

Nach dem Abmontieren der Aufbauten ging es an das Entkernen des Innenraums. Alle Einbauten wurden sorgfältig ausgebaut, weniger, um sie wiederverwenden zu können (was wegen des Zustands kaum möglich gewesen wäre), sondern mehr, um die Spanten und Planken nicht - noch mehr - zu beschädigen.

 

Die Maschine, ein uralter Vire-Motor, wurde ebenfalls mit Getriebe und Wellenanlage ausgebaut und sollte zunächst repariert und in einem anderen Schiff weiterverwendet werden. Leider erlitt die Maschine schon in der ersten Betriebsstunde einen Kolbenfresser und mußte deshalb verschrottet werden.

Beim Entkernen gab es keine besonderen Probleme zu verzeichnen: Die Bauwerft hatte sehr gut gearbeitet, und die Verbindungen zwischen den einzelnen Teilen ließen sich nach über 70 Jahren noch relativ gut lösen, ohne daß "schweres Gerät" aufgefahren werden mußte.

Interessant war, daß die Bodenwrangen nur sehr wenig Korrosion zeigten. überhaupt waren alle Eisen- und Stahlteile - gemessen am Alter - nur wenig korrodiert und eigentlich noch verwendbar. Aus bestimmten Gründen entschied man sich jedoch, die Bodenwrangen aus Holz neu anzufertigen.

 

Die Planken waren bis auf wenige angerottete Stellen völlig gesund. Einen großen Teil der Zeit verschlang das Entfernen der alten Farbanstriche.

Da das Holz künftig wegen dem fehlenden Aufbau (offenes Cockpit!) stärker als bisher Wind und Wetter ausgesetzt sein wird, muß eine sehr sorgfältige Konservierung erfolgen.

Für die Wirksamkeit jeder Konservierung ist die Qualität der Vorarbeiten entscheidend. Auf alten Anstrichen haftet eine neü Lackschicht nur sehr unvollkommen; deswegen war dieser Restaurierungsabschnitt besonders zeitraubend. Dabei muß auch bedacht werden, daß nach dem Einbau der neün Spanten usw. an viele Stellen später nicht oder nur sehr schwer heranzukommen ist. Eine Nachlässigkeit in diesen Bereichen würde sich später durch noch mehr Arbeit rächen!

Da keine geeigneten Pläne für die Anfertigung von Neuteilen vorhanden waren, mußten sämtliche zu ersetzenden Teile nach Schablonen gebaut werden; ein Verfahren, das übrigens auch bei der Reparatur von neüren Schiffen angewandt wird.

Bei einigen Teilen, die ohne Zerstörung ausgebaut werden konnten, diente das alte Teil als Vorlage für die Neuanfertigung. Bei anderen Teilen wieder, die zwar intakt ausgebaut wurden, aber dennoch nicht als Vorlage dienen konnten (wie in den Fällen, in denen ein Eisenteil durch ein solches aus Holz ersetzt wurde), mußten die Maße nach entsprechender Änderung der Abmessungen auf andere Weise genommen und neuberechnet werden.

Bei der Anfertigung von Neuteilen wählte die Werft bewährte Materialien. Jedes Stück ist eine Einzelanfertigung; nicht eine einzige Schablone konnte mehr als einmal verwendet werden. Die Arbeit des Einpassens daürte entsprechend lange. Auch wenn ein Teil noch so genau nach Schablone gefertigt worden ist, muß doch anschließend das Einpassen durch Schleifen und vorsichtiges Zurechthobeln erfolgen. Grund dafür ist, daß die Teile mit einem kleinen Ãœbermaß angefertigt werden. Ãœberschüssiges Material läßt sich eben leichter entfernen als fehlendes Material hinzufügen.
Das Deck war in einem relativ guten Zustand. So mußten “nur” sämtliche Beschläge, Schienen usw. abgebaut werden. Das meiste davon wird vermutlich wiederverwendet werden.

Im Cockpit und an einigen anderen Stellen wurden vorübergehend Versteifungen angebracht, damit sich das schwere Schiff nicht während dem Aus- und Wiedereinbau der Spanten unbeabsichtigt verformen kann. Das nebenstehende Bild zeigt zwei Werftmitarbeiter beim Einbau dieser Versteifungen.

Gut zu erkennen ist hier auch das zweigeteilte Cockpit. Während früher nur eine Art Brückendeck das Cockpit trennte (und im wesentlichen nur die Großschot zu halten hatte), wird nun das Deckslßout deutlicher zweigeteilt und der Abstand zwischen den Cockpits größer.

Durch die enorme Länge des Großbaums sitzt der Steürmann ziemlich weit entfernt vom Mast. Das bedeutet auch, daß sich die Västanfläkt später nur sehr schwer einhand segeln läßt!

Eine Maschine ist für die Västanfläkt nicht vorgesehen. Es wird an Steürbord eine Halterung für einen Hilfsmotor (Außenborder) angebracht. Der Hilfsmotor soll allenfalls beim An- und Ablegen unterstützen. Alle anderen Manöver sind dann eben - ganz traditionell - unter Segeln durchzuführen.

Wegen der Langkielerkonstruktion läuft die Västanfläkt unbeirrbar wie auf Schienen. Im Hafen ist das eher nachteilig, da ziemlich viel Fahrt für schnelle Drehungen erforderlich ist und andererseits das Schiff wegen seinem Gewicht (ca. 4 Tonnen) eine gewisse Auslaufstrecke benötigt.

Vorsichtiges Manövrieren ist daher besonders angebracht!

Das Deck ist an und für sich noch in einem brauchbaren Zustand. Teak ist ein sehr daürhaftes Baumaterial und kann, sachgerecht gepflegt, über eine lange Zeit halten. Von Zeit zu Zeit sollten die Decksfugen kontrolliert und gegebenenfalls neu abgedichtet werden. Wenn das geschieht, hat man an einem Teakdeck sehr lange Freude.

Bei der VÄSTANFLÄKT mußte trotzdem einiges herunter, um erstens einen beqümeren Zugang zum Inneren des Schiffes zu schaffen (und an Teile heranzukommen, die sonst nicht erreichbar gewesen wären), aber auch für den Bau der beiden Cockpits, wie sie auch im ursprünglichen Bauzustand vorhanden gewesen sind.

Selbstverständlich mußte der Abbau der wiederverwendbaren Teile, aber auch der künftig nicht mehr benötigten Planken, Leisten und Stringer mit größter Vorsicht erfolgen, da das Deck einerseits den gesamten Schiffskörper zusammenhält und andererseits eine beim Ausbau verursachte Beschädigung brauchbarer Teile nur Zeitaufwand  und Kosten verursachen würde. Deswegen sind auf einigen Bildern auch die zusätzlich angebrachten Querverstrebungen zu sehen, die den Rumpf davor bewahren, sich zu verziehen. Zwar tragen die Spanten natürlich beträchtlich zur Stabilität des Schiffes bei, aber immerhin zieht das große Gewicht der Rumpfseiten doch beträchtlich an den verbliebenen Teilen.

Im Inneren des Rumpfes ist das Arbeiten nicht besonders beqüm. Trotz der Größe eines 6mR-Schiffes ist innen nicht viel Platz: ein "Sechser" ist schmaler als viel kleinere Jachten, und an den Enden laufen Bug und Heck sehr schmal zu. In jeden Winkel muß der Bootsbauer hinein; es darf nicht das kleinste Fleckchen bei den Restaurierungsarbeiten übersehen werden. Schwierig ist der Zugang besonders im Heck. Hier wird die Propellerwelle ausgebaut und der Rumpf an dieser Stelle geschlossen. Eine Maschine wird die VÄSTANFLÄKT nicht mehr erhalten, für Hafenmanöver wird allenfalls einmal ein Außenbordmotor mitgenommen werden.

Auch die Inneneinrichtung wird wieder in den Originalzustand versetzt werden, was bedeutet: außer ein paar Grätings zum Verstaün der Segel und Leinen wird es nichts weiter an Bord geben. Von Komfort kann auf diesem Schiff dann nicht die Rede sein, aber zum komfortablen Segeln war es ja auch nie gedacht.

Die eingebauten Schotten dienen weniger zur Unterteilung des Innenraums, sondern in erster Linie zur zusätzlichen Versteifung des Rumpfs.

Der Mast wird - wie früher üblich - durchs Deck geführt und auf dem Kielschwein abgestützt. Bei der VÄSTANFLÄKT war das bislang anders: der Mast stand an Deck (wie bei vielen Jachten heute üblich), und der darunterliegende Teil des Decks war durch Verstrebungen (ähnlich den "Stempeln" in einem Bergwerk) gegen Kiel und die Rumpfaußenseiten abgestützt.

Die Abstützung an den Rumpfaußenseiten ist für ein Schiff dieses Alters eher ungewöhnlich. Schließlich sind die Planken wie bei jedem Holzschiff so angebracht, daß sie außen auf den Spanten liegen und demzufolge sehr viel Druck von außen, aber nicht viel von innen vertragen.

Um den Mast durch das Deck zu führen, muß er im unteren Teil verlängert werden. Dazu wird ein Stück mit einer Schäftung angeleimt. Eine fachmännisch ausgeführte Leimung hält meist besser als das umgebende Holz; sollte ein bereits einmal gebrochener Mast erneut brechen, tut er das sehr wahrscheinlich an einer anderen Stelle als der Klebverbindung.

 
© 2011 M & P Jachtwerft Paulsen GmbH | Joomla 1.5 Templates by vonfio.de